Umfrage: Hydraulik – die inneren Werte sind das Besondere

17. Juli 2008

Die Entwicklung der Hydraulik ist eine spannende Geschichte, die langsam begann und im Zeitraum der vergangenen 15 Jahren richtig Fahrt aufgenommen hat. Während sich nämlich das Aussehen der robusten und extrem kompakten Hydraulikkomponenten nur etwas verändert hat, durchlebte deren Innenleben geradezu eine Metamorphose. Der Hydraulikzylinderspezialist AHP Merkle in March-Hugstetten hat diese Entwicklung in seinem Marktsegment entscheidend geprägt.

AHP Merkle gehört seit 35 Jahren zu den ersten Adressen, wenn es darum geht, Lösungen für den Werkzeug- und Sondermaschinenbau sowie den Werkzeug- und Formenbau zu entwickeln. Welche Meilensteine haben in den vergangen 15 Jahren Ihre Branche geprägt?
Zu jeder Zeit und in allen Bereichen gibt es Meilensteine, die wichtige Entwicklungsschritte markieren. Ich persönlich finde es wichtig, diese in Fachzeitschriften festzuhalten, wofür die ,Konstruktion & Entwicklung’ seit 15 Jahren eine zielsichere Hand beweist.

Herzlichen Glückwunsch – und weiter so.

Ein wichtiger Meilenstein der Zylinderentwicklung, der positive Auswirkungen hatte, war zum Beispiel der Blockzylinder. Dieser sieht zwar von außen unscheinbar aus, erweist sich jedoch als echtes Multitalent. Das heißt, er ist extrem kompakt und äußerst anpassungs- bzw. wandlungsfähig. Eine Weiterentwicklung des Blockzylinders ist z. B. der Stanzzylinder. Mit ihm ist es gelungen, die starken Druckunterschiede aufgrund von Entspannungsschlägen beim Stanzen in den Griff zu bekommen.

Durch die individuelle Umsetzung von Kundenwünschen, für die unser Unternehmen in der Branche bekannt ist, hat sich über die Jahrzehnte ein umfangreiches Standardprogramm entwickelt. Besondere Zylinderlösungen per Katalog bestellen zu können ist eine wirkliche Erleichterung für viele Anwender. Es spart nämlich Zeit, und bei Planung bzw. Entwurf neuer Maschinen müssen keine konstruktiven Klimmzüge gemacht werden. Das können Sie mit dem Kauf von Schrauben vergleichen; Sie brauchen nur ins Regal zu greifen, um die passende Form und Größe zu finden, und schon kann der Zusammenbau beginnen.

Ein weiterer Meilenstein in der Hydraulikzylinderherstellung sind gehärtete, hartverchromte und zusätzlich geschliffene Kolbenstangen. Die einzelnen Techniken werden zwar schon lange angewendet. Das besondere Highlight ist allerdings, dass wir sämtliche Zylinder mit gehärteten Kolbenstangen fertigen. Damit erhalten alle Produkte aus unserem Haus ein Maximum an Laufeigenschaft und Lebensdauer. Das ist vergleichbar mit vollverzinkten Automobilkarosserien, die heute vielfach Standard sind, früher jedoch nur exklusive Hochpreismodelle hatten.

Ein dritter Meilenstein sind Schiebereinheiten, z. B. für Entgratwerkzeuge. Diese Hydraulikzylinder mit außen liegenden Führungsstangen haben sich aus den Blockzylindern entwickelt. Dadurch werden solche Antriebe verdrehgesichert und äußerst langlebig. Aufgrund ihrer Konstruktion trotzen sie nämlich hohen Quer- und Torsionskräften wie sie gerade im WZM-Bereich sowie im Werkzeug- und Formenbau häufig auftreten. Auch hier folgt ein eng abgestuftes Standardprogramm dem Wunsch von Konstrukteuren nach Planungsfreiheit.

So viel zur Historie, die die Gegenwart geprägt hat. Welche Innovationen werden die Zukunft verändern?
Grundsätzlich wird bei Hydraulikzylindern akribisch daran gearbeitet, Stick-slip-Effekte zu minimieren und die Lebensdauer weiter zu verlängern. Hierbei sind vor allem auch die Dichtungshersteller gefragt, die in den vergangenen 15 Jahren mit Dichtsystemen und neuen Materialien die Voraussetzungen dafür geschaffen haben, innovativ zu sein und den Wettbewerbsvorsprung auszubauen.

Ein Trend ist zum Beispiel auch, den Konstrukteuren elektronische Unterstützung bei der Planung und Umsetzung von Zylinderlösungen an die Hand zu geben. Früher waren das elektronische Produktkataloge mit einzelnen CAD-Zeichnungen, heute sind es ,mitdenkende’ Konfiguratoren. AHP Merkle widmet diesem Thema seit Jahren viel Aufmerksamkeit, weil solche Tools im Konstruktionsalltag eine unglaubliche Erleichterung darstellen.
Unseren Konfigurator gibt es zum Beispiel in 12 Sprachen. Konstrukteure verwenden ihn entweder per CD-ROM oder online über das Internet. Immer mehr Informationen werden schnell gebraucht. Deshalb haben wir gerade erst unsere Homepage angepasst und zum Beispiel den CAD-Assistenten unseres Online-Konfigurators noch erheblich schneller gemacht. Dieser unterstützt nahezu alle Zeichnungsformate, was Konstrukteure sehr schätzen.

Ein weiterer Trend, der im Formenbau zum Tragen kommt, ist die Funktionsintegration. Beispielsweise haben wir eine Kernzugeinheit entwickelt, die beim Vor- und Rücklauf des Auswerfersystems und Schließen der Spritzgussform merklich Platz spart. Andere Systeme, wie der Dual-Speed-Zylinder verkürzen die Zykluszeit erheblich und steigern die Produktionsleistung.
Ein weiteres aktuelles Beispiel für künftig zu erwartende Verbesserungen ist ein Verriegelungszylinder, der die Form schließt und sie danach im drucklosen Zustand verriegelt. Nahezu auf jeder Messe, auf der wir ausstellen, werden wir auf dieses Thema angesprochen. Nun arbeiten wir an einem Prototyp, weil bisherige Lösungen am Markt nicht das Ergebnis gebracht haben, das sich die Formenbauer wünschen. Auch das ist eine kundenspezifische Entwicklung wie viele unserer Produkte, die heute im Standard-Programm zu finden sind.

Zusammenfassend kann man sagen: Flexibilität in Verbindung mit viel Erfahrung und modernen Fertigungsverfahren bzw. Materialien stellen die Rahmenbedingungen dar, wettbewerbsfähige Hydrauliklösungen zu entwickeln. In Verbindung mit der angesprochenen Funktionsintegration und elektronischen Unterstützungswerkzeugen für die Anwender schafft es die Hydraulikbranche, als moderne Antriebstechnik angesehen zu werden und damit in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben.